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Begriffe aus dem Strommarkt - Teil 1:

Übertragungsnetz und Netznutzungsentgelt

Der Strommarkt ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Man muss ein erfahrener Experte sein, um die Zusammenhänge vollumfänglich zu verstehen. Dennoch versuchen wir als AK Energie in einer kleinen Artikelserie verschiedene Begriffe und Zusammenhänge aus dem Strommarkt zu erklären.

 

Das Höchstspannungsnetz in Deutschland ist in große Zonen aufgeteilt, mit zur Zeit vier Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB), z.B. ist für Ostdeutschland 50Hertz Transmission zuständig, Amprion und TransnetBW sind für den Westen und Südwesten zuständig und Tennet für den Norden und Süden Deutschlands.

Die ÜNB planen, bauen und warten das Höchstspannungsnetz und regeln den Netzbetrieb. Sie sind verantwortlich für die Sicherheit und Stabilität des deutschen Energieversorgungssystems, d.h. sie müssen den überregionalen und internationalen Stromaustausch über ihre Leitungen störungsfrei gewährleisten und dafür sorgen, dass sich Erzeugung und Verbrauch zu jeder Zeit im Gleichgewicht befinden. Das ist in § 11 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) verankert.

 

Die Energiewende stellt große Herausforderungen an die Höchstspannungsnetze. Der beispielsweise aus Windenergieanlagen in Norddeutschland gewonnene Strom übersteigt in einigen Regionen Deutschlands die Netzkapazitäten und wird oftmals weit entfernt von Verbrauchsschwerpunkten, die z.B. in Süddeutschland liegen, produziert und muss entsprechend verteilt werden. Auch andersherum, nämlich der durch Sonnenergie oder Biomasse im Süden erzeugte Strom muss häufig nach Norden oder Osten verteilt werden. Ebenso veranlassen die ÜNB, dass "Reserve-Kraftwerke" wie z.B. Gas- oder Kohle-Kraftwerke, die nur vorübergehend abgeschaltet sind, wieder hochgefahren werden und ins Stromnetz einspeisen, sobald bei einer Unterversorgung zu wenig Strom im Netz verfügbar ist.

 

Für diese Verteilungsarbeit und dafür, dass die ÜNB das deutsche Stromnetz stabil halten und das Stromnetz bei Stromüberangeboten nicht zusammenbricht, kassieren die ÜNB das sogenannte Netznutzungsentgelt, es ist ein Bestandteil des Strompreises. Dabei zahlen Kleinverbraucher (also Haushalte und Kleingewerbe) derzeit in Deutschland ca. 6 Cent je Kilowattstunde. Großverbraucher, die am Mittelspannungsnetz oder auf höheren Spannungsebenen angeschlossen sind, bezahlen nur für diese Ebene und alle höheren Ebenen. In Deutschland können sich besonders große Verbraucher (mehr als 10 GWh pro Jahr) sogar komplett von den Netznutzungsentgelten befreien lassen, diese werden dann auf kleinere Verbraucher abgewälzt. Im Durchschnitt zahlen Industriekunden weniger als 2 ct/kWh Netznutzungsentgelt. Das wird damit begründet, dass Großverbraucher mit den konstant hohen Verbräuchen an einzelnen Industriestandorten das Stromnetz eher gleichmäßig belasten, während die Masse der Kleinverbraucher mit ihren unregelmäßig schwankenden Verbräuchen zu unterschiedlichsten Zeiten das Stromnetz stärker belasten und das Stromnetz für die Kleinverbraucher bis in die einzelnen Regionen vorgehalten, betrieben und gewartet werden muss.

 

Der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien wird in Zukunft noch größer werden. Die Energiewende verändert die Energieinfrastruktur folglich nachhaltig. Die ohnehin hochkomplexe Mess- und Regelungstechnik wird weiter entwickelt werden müssen. Der Staat, vertreten durch die Bundesnetzagentur, will daher auch in die "Hardware", also in die Übertragungstechnologien investieren. Der Leitungsausbau soll vorangetrieben werden (z.B. neue Nord-Süd-Trasse), was vielerorts nach wie vor zu großen Protesten und Demonstrationen führt. Die Kritiker des Leitungsausbaus setzen sich für den dezentralen Netzausbau ein. Sie behaupten, dass ein großer Leitungsausbau wie es die Bundesnetzagentur plant, nicht notwendig sei, wenn der regional erzeugte Strom gleich in derselben Region verbraucht wird. Somit gäbe es kleinere, überschaubarere Stromnetze, die zwar auch untereinander verbunden wären, aber ihrer Meinung nach leichter zu regeln wären. Dezentral verteilte Stromspeicher, die in diese kleineren Netze eingebunden wären und die Überproduktion aus erneuerbaren Energien speichern, könnten bei Stromengpässen wie in der Nacht als Reserve dienen und auch die Stromverluste wären bei kürzeren Leitungswegen geringer.

 

Die Energieinfrastruktur wird sich in den nächsten Jahren also noch weiter verändern, die ÜNB spielen dabei eine wesentliche Rolle.

 

Mehrere Karten zur Menge an erzeugten erneuerbaren Energien und zu Standorten, Arten und Leistungen der verschiedenen Kraftwerke sowie der Übertragungsnetze sind im Internet zum Download verfügbar unter http://www.umweltbundesamt.de/ >Daten >Energiebereitstellung und -verbrauch >Konventionelle Kraftwerke und erneuerbare Energien

 

Quellen: https://www.energie-lexikon.info (Begriffe alphabetisch sortiert)

https://www.netzentwicklungsplan.de/de/content/die-%C3%BCbertragungsnetzbetreiber

(ss)

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