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Gemeinde Nußdorf (Chiemgau)  |  E-Mail: info@nussdorf-chiemgau.de  |  Online: http://www.nussdorf-chiemgau.de

Begriffe aus dem Strommarkt - Teil 3:

Redispatch und Netzoptimierung

Der Strommarkt ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Man muss ein erfahrener Experte sein, um die Zusammenhänge vollumfänglich zu verstehen. Dennoch versuchen wir als AK Energie in einer kleinen Artikelserie verschiedene Begriffe und Zusammenhänge aus dem Strommarkt zu erklären.

 

Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) müssen gesetzlich gewährleisten, dass sich Stromerzeugung und Stromverbrauch zu jeder Zeit im Gleichgewicht befinden und werden anteilig über den Strompreis, dem sogenannten Netznutzungsentgelt, dafür bezahlt (Begriffe s. Teil 1 unserer Serie).

In Deutschland gibt es zur Zeit vier Übertragungsnetzbetreiber, darunter die Tennet, die für die Regelzone im Norden und Süden Deutschlands, also auch für die Höchstspannungsnetze in Bayern, verantwortlich ist.

Zum Jahreswechsel 2016-17 wurden nun erneut die Strompreise erhöht. Die Stromversorger begründen die Preiserhöhungen z.T. damit, dass die Netznutzungsentgelte vom Übertragungsnetzbetreiber Tennet zuletzt erheblich - nämlich um ca. 80% - gestiegen sind.

 

Die ÜNB planen, bauen und warten das Höchstspannungsnetz und regeln den Netzbetrieb. Sie müssen damit auch dafür sorgen, dass z.B. Stromüberschüsse von Windkraftanlagen an der Nordsee verbrauchsgerecht verteilt werden ("Dispatch" engl. Versendung, Verteilung). Da es sich um Stromüberschüsse handelt, werden diese zu billigeren Preisen an der Strommarktbörse in Leipzig verkauft und bisher z.B. gerne von Österreich und Tschechien eingekauft. Dieser Stromüberschuss muss in dem Fall vom ÜNB nach Österreich transportiert werden.

Die ÜNB behaupten, dass unter Anderem dafür zusätzliche, leistungsfähigere Nord-Süd-Stromtrassen gebraucht werden. Bisher wird in solchen Situationen oft mehr Strom aus Norddeutschland verkauft, als die Leitungsnetze überhaupt transportieren können, es käme zur Überlastung (s. im Teil 2 unserer Serie zu Frequenzregelung). So wird bisher, um die Leitungswege kurz zu halten, der Stromüberschuss aus Norddeutschland z.B. in Mittel- und Ostdeutschland verteilt. Um aber den in unserem Beispiel von Österreich eingekauften Strom tatsächlich nach Österreich zu liefern, werden vom ÜNB zusätzliche Kraftwerke in Bayern hochgefahren, die eigentlich aufgrund der Verbrauchslage nicht in Betrieb wären, ebenso um die Leitungswege kurz zu halten und Netzüberlastung zu vermeiden. Dies wird in Fachkreisen "Redispatch" (engl. Weiterverteilung) genannt. Oft ist das Hochfahren dieser Kraftwerke teurer als der billig eingekaufte Stromüberschuss, doch diese Maßnahmen werden den Stromkunden in der betroffenen bayerischen Regelzone verrechnet.

 

Der Freistaat Bayern und die Bundesnetzagentur setzen sich nun dafür ein, dass vor dem geplanten Stromtrassenausbau das bestehende Stromnetz und somit auch der Strommarkt optimiert werden. Eine Maßnahme dazu soll sein, dass nun Österreich ab 2018 seinen eigenen Strommarkt bekommen soll. Bisher waren die österreichischen Strompreise an die Strompreisbörse in Leipzig gekoppelt. Zusätzlich müssen ab 2018 österreichische Stromhändler, die in Deutschland Strom einkaufen, entsprechende grenzüberschreitende Leitungskapazitäten nachweisen.

Durch die Abtrennung des österreichischen Strommarkts erhofft sich die Bundesnetzagentur, dass die sogenannten "Redispatch"-Fälle seltener werden und somit z.B. süddeutsche Atomkraftwerke leichter abgeschaltet werden können, wenn die süddeutschen Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerke seltener für den "Redispatch" sondern dann mehr zur Grundlast beitragen können.

 

Quellen: https://www.energie-lexikon.info (Begriffe alphabetisch sortiert) und Magazin ausgestrahlt Ausgabe April 2017, S.4.

 

 (ss)

 

Weitere Infos zu den Aktivitäten des AK Energie finden Sie im Internet auf der Homepage der Gemeinde Nußdorf unter folgendem Link:

http://www.nussdorf-chiemgau.de/index.php?id=0,93

Der AK Energie ist mit vielen Berichten, die es oft nicht ins Amtsblatt oder in den AK Newsletter schaffen, seit kurzem auch auf Facebook präsent. Zu finden unter „Arbeitskreis Energie Nußdorf“.

 

 

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